Welche nachhaltigen Werte sind für Naturkosmetik wichtig?

Warum ist es wichtig, die eigenen Werte zu definieren, wenn man dabei ist, eine Naturkosmetik zu entwickeln? Darüber habe ich nachgedacht, als ich in einem Existenzgründungs-Seminar ermutigt wurde, eigene Werte und das, was mir im Leben wichtig ist, herauszufinden. Meine ganz persönlichen Antworten findet ihr in diesem Beitrag.

Welche Werte sind mir wichtig?

Im Folgenden möchte ich gerne von meiner ganz persönliche Liste meiner Werte und Prinzipien berichten. Ohne diese hätte ich mich nicht auf den Weg gemacht, eine verantwortungsbewußte Naturkosmetik zu entwickeln.

Zufriedenheit: 

Wie in den 70er Jahren in vielen Familien üblich, blieb meine Mutter als Hausfrau bei uns Kindern. Meine Oma versorgte mit ihrem großen Garten und Kleinvieh die Familie. Klamotten bekam ich von den älteren Cousins oder meinem Bruder. Gegessen wurde zuhause, Reparaturen erledigte man selbst. 

Nie habe ich dabei einen Mangel verspürt! Meine Eltern waren zufrieden mit ihrem Leben. Das hat mich geprägt. Zufrieden sein mit den Dingen, die man hat. Nicht auf das Starren, was die anderen haben.

Dieses gute Gefühl habe ich noch heute. Markenklamotten oder Luxus-Konsumgüter brauche ich nicht.

Heilpflanze Hopfen in einem Reagenzglas für einen kosmetischen Ölauszug

Ich bin dankbar, daß 

  • wir uns nachhaltige Lebensmittel leisten können und den Kindern eine gute Bildung bzw. Studium ermöglichen können.  
  • wir in einem ökologischen Holzhaus (von meinem Mann und mir weitestgehend selbst gebaut) leben und ich mir eine Praxis und ein kosmetisches Labor einrichten konnte.
  • Zur Erforschung und Entwicklung wirkungsvoller & verträglicher kosmetischer Rezepturen
  • Um eine handgefertigte Naturkosmetik zu entwickeln.

Ehrlichkeit: 

Mein Vater nannte es „Anstand“. Er war Fahndungsbeamter und Lügen waren ihm zuwider. „Bei der Wahrheit“ bleiben war für ihn unverhandelbar und daher ein Grundpfeiler unserer Erziehung.

Mein Vater machte sich dafür auch gerne mal unbeliebt, wenn er Dinge ansprach, über die man lieber hinweg sah.

holzpuppe pinoccio mit langer Nase als Symbol für einen Lügner

Dazu hat er auch mich ermutigt: Bei der Wahrheit bleiben, auch wenn es unbequem ist. Das hat mich geprägt: privat und beruflich. Bin in viele Fettnäpfchen getreten.

Habe viele finanziell verlockende Angebote ausgeschlagen. Aber dafür Freiräume gewonnen.

  • Beruflich unabhängig & authentisch sein zu dürfen. Ehrlich sein gegenüber Mitmenschen, Kunden & Patienten
  • Mein Wissen und meine Erfahrung nutzen zu können.
  • Für die Entwicklung einer ehrlichen und gleichzeitig wirksamen Naturkosmetik. Ohne Kompromisse.
  • Keine falschen Versprechungen bei Produktbeschreibungen

Ausdauer:

Meine Mutter – geprägt von den Nachkriegsjahren und dem Leben auf dem Land – brachte mir sehr Vieles bei: Haushalt, Kochen, Sparsamkeit und Beharrlichkeit. Wenn mal etwas nicht klappte, wurde nichts weggelegt oder weggeworfen, sondern so lange geübt und probiert, bis es schließlich gelang. Auch wenn ich oft wütend oder frustriert war. 

Heute bin ich dankbar dafür. Ohne Ausdauer hätte ich z. B. niemals – neben Haushalt, Beruf und Kindern die anspruchsvolle & umfangreiche Ausbildung zur Heilpraktikerin durchgestanden. 

Bei der Entwicklung meiner Kosmetikmarke gibt es aktuell überraschend viele Hürden: Bürokratie, Organisatorisches, versteckte Schadstoffe in Rohstoffen, Glasprodukte made in Europa sind kaum vorhanden, hormonwirksame Substanzen in Verpackungen.… 

Ich habe mittlerweile schon sehr viele Rückschläge erfahren müssen. Ohne Beharrlichkeit hätte ich mein Herzensprojekt schon längst aufgegeben.

Kreativität:

In meiner Kindheit gab es wenig Konsum, aber dafür viel Sinn für Schönes, Selbstgemachtes und Leckeres.

wollknäuel zum Stricken von Socken oder einem Schal

Gemäß der Devise: „Selbstgemacht ist ohnehin besser“, nähte meine Mutter schöne Kleider und weckte in mir bereits früh die Liebe zur Kreativität: fürs Basteln, Nähen und Stricken. Als Kind fertigte ich mit Perlen und Silberdraht Ketten und Ohrringe und hatte dadurch immer schöne Geschenke.

Wer wie ich in den 80er Jahren Teenager war, erinnert sich sicher an die Overall-Schulterpolster-Mode. Ich durfte alte Bettlacken einfärben und daraus Overalls nähen. Und war auf einmal total angesagt in der Schule! Während meiner Berufsjahre in der Kosmetik (Prestigekosmetik, Apothekenkosmetik oder Depotkosmetik) und als Heilpraktikerin wurde in mir der Wunsch nach einer gesunden und „haut-identischen“ Hautpflege immer drängender. 

Diese gibt es nicht. Jedenfalls nicht so konsequent, wie ich es gerne für meine Familie und meine Kund:innen hätte.

Eine moderne Naturkosmetik mit inneren Werten:  Verträglich. Effektiv. Wirkungsvoll. Behütend. 

hohwertige Öle und Rohstoffe in einem Labor für die Entwicklung von bioidentischer Kosmetik
Hochwertige pflanzliche Öle und Bio-Rohstoffe

Mich auf meine alte Kreativität besinnend reifte in mir der Entschluss: Ich entwickle eine eigene Hautpflege-Serie nach Maß. Hier kommt mir auch Beharrlichkeit meiner Kindheit zugute: Hat es nach gefühlt 40 Testreihen immer noch nicht die gewünschte Wirksamkeit, Konsistenz oder Duft zu entscheiden: OK, dann halt nochmal von vorne….

Hinterfragen dürfen:

Das Lieblingswort meiner Kindheit war lange “warum?“. Ermutigt von Familie und Schule durfte ich Dinge lernen und hinterfragen. Nichts einfach so hinnehmen, sondern verstehen, warum etwas so funktioniert oder läuft. In der Einführungsveranstaltung an der Universität ermunterte der Dekan uns Erstsemester:innen, stets offen im Studium zu bleiben. Wissenschaft sei etwas Bewegliches und sich stets Erneuerndes. Das hatte mich damals sehr überrascht und berührt.

Von dieser Weisheit profitiere ich auch heute noch in meinem beruflichen Umfeld.

Ein Beispiel? In der Kosmetikschule brachte man uns seinerzeit noch bei, daß die Oberhaut (Epidermis) „tot“ sei. Eine in Fett & Wasser gebundene Ansammlung abgestorbener Hautzellen. Ohne nennenswerte Funktionen. 

Und heute? Inzwischen weiß man, daß die Oberhaut wichtige Aufgaben fürs Immunsystem inne hat. Nervenimpulse ins Innere der Haut weiterleitet. Schützende Bakterien (Mikrobiom) besitzt. Und sogar Hormone produzieren kann.

Das bedeutet für mich: Eine Hautpflege zu entwickeln, die auf dem neuesten Stand der Wissenschaft ist. Die die natürliche Hautflora unterstützt. Den Säure-Schutzmantel bewahrt. Einen gesunden pH-Wert besitzt. Die der Haut hilft, sich selbst zu regenerieren.

Nachhaltigkeit:

Zugegeben: Nachhaltigkeit und Ökologie spielten in den Jahren meiner Kindheit keine so große Rolle. Das erste Unbehagen kam für mich in den üppigen 90er Jahren. Warum müssen Kosmetikprodukte mit dickem Plastikboden und doppelt zellophanierter Verpackung verkauft werden? Neue Produkte wurden mit einen gigantischen Plastik-Werbemittel-Aufwand vorgestellt. Diese wurden einmal benutzt und dann weggeworfen!

Oder in Bezug auf Erkrankungen, als die ersten Berichte über mögliche gesundheitsschädigende Wirkungen von aluminiumhaltige Deodorants veröffentlicht wurden.

Sehr viel gelernt haben wir von unseren Kindern. Unser Sohn lebt es uns vor, wie man zurückhaltend, dafür aber nachhaltig und hochwertig konsumiert. Unsere Tochter achtet darauf, daß keine Lebensmittel verschwendet werden und daß so wenig wie möglich Plastik verwendet wird. Daß wir weniger Fleisch essen. Und daß keine Produkte mit Palmöl gekauft werden – da wird sogar auf die geliebte Nuss-Nougat-Creme verzichtet.

Fazit: Meine persönlichen Werte für die Herstellung einer bioidentischen Naturkosmetik

Meine Patienten berichten gerne, daß sie mir vertrauen können. Das ehrt und freut mich sehr. Vertrauen und Zuverlässigkeit sind für mich eine Selbstverständlichkeit. Sie bestimmen mein tägliches Handeln. Ebenso wie die oben genannten Werte leiten sie mich in meinem Herzensprojekt: der Entwicklung einer bioidentischen Naturkosmetik.

Auch wenn es noch ein steiniger Weg bis zu den fertigen Produkten sein wird, möchte ich keine Kompromisse machen. 

Für eine verantwortungsbewusste Hautpflege, die für Folgendes steht:

  • bio-identische Hautpflege für Frauendie trotz hormoneller Herausforderungen eine schöne Haut behalten möchten
  • nachhaltige, möglichst regionale Rohstoffe in Bio-Qualität
  • kein Palmöl: das schränkt übrigens die verwendeten Rohstoffe – auch in der Naturkosmetik – erheblich ein!
  • ökologisches Verpackungs- und Versandmaterial 
  • Ressourcen-schonende Herstellung
  • keine Stoffe mit Allergie-Potential: Salicylate, Benzoate, PEG, Alkohol, Mineralöl etc.
  • keine hormonaktiven Stoffe
Hautexpertin Birgit Hentzler-Liepe im Labor. Sie prüft den ph-Wert ihrer Naturkosmetik

Zu diesem Artikel ermutigt hat mich Dr. Andrea Maria Bokler. Vielen lieben Dank dafür!

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